Sup´Air STEP – Testbericht

Ich hatte das Vergnügen den STEP Large (105 – 125kg) in Teneriffa ausgiebig zu fliegen (Startgewicht ca. 118 kg, also etwas über der Hälfte) und zu testen. Aber nicht nur aktiv hat der STEP beeindruckt. In unserem Ostertraining hat dieser Schirm auch bei einem unserer Teilnehmer ein sehr gute Figur gemacht. Im wahrsten Sinne des Wortes!

Für die Lesefaulen „kurz & knapp“: Wer eine Schirm im obersten Leistungssegment im EN-B Bereich sucht, sollte den STEP nicht außer Acht lassen! Das „Teil“ sieht nicht nur gut aus, es geht auch richtig gut! Bei turbulenten Gegenwind-Passagen war ich immer wieder überrascht wie hoch ich, im Vergleich zu anderen, ankam. Natürlich fliegt man solche Passagen im Gasmodus und trotzdem behält der STEP seine Stabilität, auch der Außenflügel. Die Bremse ist gut abgestimmt und überfordert keinen Aufsteiger aus der Low-B Klasse, lässt aber immer noch hoch dynamische Wing-Over und super saubere SATs zu! Ich würde jetzt nicht sagen, dass der STEP ein reinrassiger Freestyler ist, aber unter guter Führung könnte man es fast denken! 😉 Die Extremflug- und Starteigenschaften sind klassentypisch und zeigen keine bösen Überraschungen auf. Bei Klappern um die 50% sollte man beim Gegensteuern vorsichtig sein oder es ganz sein lassen, denn der STEP fliegt dabei ohne Zutun des Piloten gerade aus.

Hier meine genaueren Ausführungen dazu:

  1. Man fühlt sich unter dem Step unmittelbar wohl und sicher!
    Auch nach mehreren Flügen kann ich sagen, dass der Step dem Piloten vermittelt was er über die Luftmasse wissen sollte, aber auch nicht zu viel Feedback gibt. Die Kappe steht sehr stabil (auch beschleunigt) über dem Piloten. Somit bekommt man genug Feedback was in der Luft los ist, fühlt sich aber auch in turbulenteren Bedingungen noch Wohl. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  2. Sehr auffällig ist das außerordentlich gute Gleiten gegen den Wind bei deutlich bewegter Luft. Da ist der Step (subjektiv) ganz vorne mit dabei. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  3. Wie ich oben schon schrieb, ist das Handling gut abgestimmt und macht alles möglich ohne jemanden zu überfordern. Ich denke aber, dass man den STEP hoch belasten sollte (im oberen Viertel) um das beste Handling zu bekommen.
    Da ich beim Handling etwas Ozone verseucht bin gebe ich hier nur  ⭐️⭐️⭐️⭐️½
  4. Klassentypisch eher einfach würde ich das Extremflugverhalten beschreiben. Mit gehaltenem 50% Klapper tendiert die Kappe sogar dazu, auf die offene Seite zu drehen. Aber auch bei größeren Störungen konnte ich keine hohe Dynamik oder weites Wegdrehen feststellen. Auch das Wiederöffnen erfolgt langsam aber kontinuierlich ohne Aufschnalzen. Der Strömungsabriss setzt sehr spät ein und beginnt an der Flügelaußenseite mit sehr hohem Druck auf den Steuerleinen, was dem Piloten zusätzlich Zeit zum Erkennen verschafft. Die Einleitung des Fullstall ist, wie inzwischen bei fast allen Schirmen dieser Kategorie, schwierig. Im Stall ist er einfach zu halten und auch die Ausleitung gestaltet sich einfach. Durch die relativ hohe Streckung (5,7) kann es aber immer mal zu einem Verhänger kommen. Diese konnte ich bei Stallausleitungen sowie bei (Front)Klappern aus dem Vornicken immer wieder provozieren. Dabei war er auch bei großen Verhängern immer noch einfach unter Kontrolle zu halten. Anspruchsvoller war da schon das Lösen des einen oder anderen größeren Verhängers. Sicherheitstraining ist hier Pflicht!
    Hier gibt es alles in allem ⭐️⭐️⭐️⭐️
  5. Der Start ist grundsätzlich klassentypisch einfach. Auffällig war aber, dass er bei nicht laminarer Anströmung immer wieder beim Steigen stoppte und zu einer Seite ausbrach. Dabei stellte ich auch fest, dass der Schirm mit überkreuzten Steuerleinen nicht mehr zu retten war. Gerade deswegen ist auch ein Verkürzen der Steuerleinen absolut nicht zu empfehlen! Dem Ganzen kann man aber mit einem etwas höheren Aufziehimpuls entgegenwirken. Jedoch muss dann die daraus resultierend Dynamik (Überschießen) wieder gekonnt rausgenommen werden. Sobald am Startplatz aber schöne laminare Bedingungen herrschen, ist er so einfach zu starten, wie das für einen Schirm mit 5,7er Streckung eben möglich ist. ⭐️⭐️⭐️⭐️
  6. Der STEP steigt sehr gut und nimmt auch zerrissene Thermik sehr gut mit. Er ist ein exzellenter Flachdreher! Bei sehr engen Bärten, musste ich mit meiner vermutlich etwas zu niedrigen Flächenbelastung, das eine oder andere Aufrichten der Kappe feststellen. Wodurch es dann die eine oder andere Gedenksekunde brauchte bis ich den Schirm in die gewünschte Schräglage steuern konnte. Aber ich denke, das hätte mit 5 kg mehr anders ausgesehen. ⭐️⭐️⭐️⭐️½
  7. Landung bis auf das vielleicht ungewohnte Gleiten super easy! ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  8. Haptik: Ich persönlich liebe die unummantelten Edelrid-Leinen. Leider ist das bei der Masse der B-Piloten nicht so. Ich weiß nicht genau woran das liegt, vermute aber, dass es an den zu kleinen (vielen) Schlaufen beim Aufschießen der Leinen liegt. Wodurch es vermehrt zur Knotenbildung kommt. —> Legt die Leinen ohne Schlaufen über die volle Tiefe des Schirms in die Mitte und die Knoten sind Geschichte! Warum nicht zumindest die A-Leinen farblich abgesetzt sind,weiß ich nicht. Bei einem Schirm der B-Klasse sollte dies der Fall sein. ⭐️⭐️⭐️⭐️
  9. Optik: Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, aber ich finde ihn sehr gelungen! ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  10. Fazit ⭐️⭐️⭐️⭐️½  von 5 Sternen. Und ich muss sagen, das ist schon sehr sehr gut, den ich bin schon ein kritischer Pilot;-)!