Rettungsgerät – euer Schutzengel

Hallo zusammen. Mein Name ist Ralf Kahr-Reiter und für jene, die mich nicht kennen sei kurz gesagt – ich fliege seit meinem 12. Lebensjahr, habe mittlerweile meine eigene Flugschule und bin als Sicherheitstrainer, Fluglehrer und DHV Fluglehrerausbildner im Einsatz. Kurz: mein Leben dreht sich tagtäglich um die Fliegerei.

Mehr durch Zufall (oder durch meine Frau), schreibe ich in meinen Flugschulnewslettern eine Art Kolumne unter dem Titel „Ralphy´s Senf“. Die scheint dann doch sehr gut zu sein, zumindest wenn ich dem Feedback meiner Leser vertrauen darf. Einer davon ist Franz Altmann, Redakteur des Magazins, welches du gerade in den Händen hältst. Lange Rede kurzer Sinn – ab sofort gebe ich meinen Senf auch fürs Thermik ab. Ob interessant, darf jeder selbst entscheiden.

Was mich gerade beschäftigt sind Rettungsgeräte. Wie langweilig und warum das Thema? Ein Streckenpilot hat mir erst vor kurzem einen Erlebnisbericht über das Auslösen einer Rogallo geliefert. Worüber wir dann natürlich wie für Flieger so üblich, reichlich ins Diskutieren geraten sind. Nach über 20 Jahren Arbeit im Sicherheitstrainingsbereich habe ich viele Rettungsgeräte-Öffnungen gesehen und viele Erfahrungen damit gemacht.

Das Thema liegt mir wirklich am Herzen. Alles dreht sich immer nur um den perfekten Schirm, natürlich in der perfekten Farbe. Aber wie wichtig das Lebensrettungsgerät ist, wird dabei oft vergessen oder zur Nebensächlichkeit. Wie ihr wisst, gibt es zwei Systeme. Die einen arbeiten nach dem reinen Widerstandsprinzip (Rundkappen und Kreuzkappen), die anderen haben ein flugfähiges Profil (Rogallos und B.A.S.E. Schirme/Systeme). Grundsätzlich gilt zu sagen: alles was fliegt, kann auch aufhören zu fliegen oder in die falsche Richtung steuern. Deshalb finde ich diese flugfähigen Rettungssysteme nicht für die Masse der Piloten geeignet, da sie nach einer Auslösung sehr hohe Ansprüche an den Piloten stellen. Eine Rogallo ohne Trennkarabiner und trennbarem Beschleuniger sowie einer richtig guten Einweisung!!! stellt eine enorme Gefahr dar! Und selbst wenn der Hauptschirm abgetrennt wurde ist noch nicht gesagt, dass jetzt gesteuert werden kann. In der Realität dreht sich das Paket beim Wurf so gut wie immer und man hat nicht selten zwei, drei oder mehr Twists in den Gurten. Solange man sich nicht ausgedreht hat, ist man auch nicht steuerbar und fliegt unter Umständen nicht vom Hindernis weg, sondern genau darauf zu.

Ich könnte Euch jetzt hier einen mehrseitigen Fachbericht voll mit Zahlen und Fakten liefern. Doch was ich wirklich erreichen möchte ist AUFMERKSAMKEIT gegenüber Eurem Schutzengel! Beim Rettungsgerät gilt für den Großteil aller Piloten JE EINFACHER UMSO BESSER!

Deshalb möchte ich euch eine ordentliche Rundkappe (keinesfalls kleiner als 30m²) oder die neuen Kreuzkappen ans Herz legen. Diese sind meiner Ansicht nach eine echte Innovation und werden die Rundkappe mittelfristig ablösen!

Sie vereinen eine schnelle Öffnung und die Pendelstabilität sowie das geringe Sinken der Rogallo mit der einfachen Benutzung der Rundkappe.

Jungs und Mädels – seid sorgfältig in der Auswahl Eures Schutzengels und überschätzt Euch nicht selbst! Die „faule Sau Methode“ à la Mercedes Werbung finde ich doch am Sinnvollsten. Lieber nicht so cool und etwas bieder – dafür aber safe am Boden landen!

Be different und rockt den Himmel

Eurer Ralf